Le Faubourg

Gault&Millau Ausgabe: 2017 2016

BERLIN

152 caps
Hoher Grad an Kochkunst, Kreativität und Qualität
3 cutlery erstklassig
GastgeberMathias Branweiner
KüchenchefFelix Mielke

Preise
à la carte: € 34 bis € 79

Zahlungs-Optionen

Fakten
Reservierung nötig oder empfohlen
späte Küche (meist bis Mitternacht)

Großzügiges Ambiente, das keinen verschreckt und gut ausgeleuchtet ist, mit extraweichen Polstersitzen, die zum Verweilen verleiten. Zunächst zu Vorspeisen, die Felix Mielke zum Einheitspreis von 14 € mit der Einladung anbietet, sie zu teilen: gegrillten BBQ-Stör mit Langpfefferglasur in einer sehr ästhetischen Formation aus jungem Mais, Pilzen, Rettich und Lauch; Gänsestopfleberterrine unter einer Schleppe aus säuerlichem Sanddorngelee, Klecksen von Orangenmarmelade und Brocken gepoppter Hirse neben einem Rätsel aufgebenden, mit dem Zirkel gezogenen Spiegel aus Sauerampfercreme, auf dem weitere Kleckse, Kügelchen und Brocken der Terrine liegen und ein bitteres Kontra kriegen; Kohlrabi in diversen Texturen, darunter eine Creme in einem Bett aus ungewöhnlich geschmackvollem Amarantbrot sowie eine Zierleiste aus Kohlrabi-Estragoncreme-Klecksen am Brotrand, die einer Torte gut stehen würde, hier aber ziemlich manieriert wirkt. Dazu gesellen sich ein Kubus aus Parmesancreme, ein sehr stimmiges Pilzcoulis. Auch hier zeigt sich der unbedingte Wille Mielkes, jeden Teller in ein kleines Kunstwerk zu verwandeln – leider auch auf Kosten geschmacklicher Klarheit. Fast schon puristisch dagegen seine Hummerbisque mit Paprikakaramell, Mandelcreme und in Lardo ummanteltem Hummerstück. Bei den Hauptgerichten stellt der ehrgeizige Küchenchef ein Produkt ins Zentrum und lässt den Gast entscheiden, ob er es lieber klassisch oder modern interpretiert haben möchte. Also Kalbsfilet mit Trüffeljus, Salbeignocchi und Gemüse (das Mielke als Klassiker Rossini ausgibt) oder mit Kartoffel als angeröstetes Püree in Form eines Kubus, gekrönt von einem zart angestockten Eidotter, und Eiweiß in Kaviarperlenform, gebratene Pilzen und stimmige Rotweinbutter. Nicht jeder Gast dürfte freilich wie Mielke Wolfsbarsch mit geräuchertem Bohnenpüree für ein traditionelles Gericht halten und das Angebot von Spinat, Ei und Kartoffeln für Vegetarier als moderne Entdeckung feiern, auch wenn sie mit Trüffelspuren, Crème fraîche, Pilzen und Rotweinbutter überfrachtet ist. Pâtissier Raphael Gasque lässt seine Kreationen wie das Popcorn süß & salzig mit Yuzu und Passionsfrucht-Guavensorbet oder das Grapefruitgranite mit Litschisorbet, Ingwercreme, Rosen und Veilchenaromen ebenfalls prächtig aussehen. Der Service pflegt einen erfrischend ungestelzten Stil, und Sommelier Marcel Saavedra richtet die recht diffuse Weinkarte vergangener Tage mehr und mehr auf Deutschland und Frankreich aus, schon jetzt stark bis in die Mittelklasse und mit erfreulichen Entdeckungen aus Burgund.

Kontakt

Le Faubourg
10789 BERLIN
Augsburger Str. 41
Tel.: (0 30) 8009997700
Fax: (0 30) 8009991554
Internet: www.lefaubourg.berlin
E-Mail Adresse: lefaubourg@sofitel.com
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