Eine bunte Gesellschaft

Klar, es gibt überzeugte Biertrinker und eiserne Weinkenner. Diese Spezies mischen sich selten. Richtig bunt und gesellig wird es dagegen beim Cocktail. Er fördert die Plauderei, schafft Kontakte und Kontrakte und das nicht nur zur blauen Stunde.

»Martini geschüttelt, nicht gerührt!« Die Martini Dry-Bestellung gehört zu den Running Gags in den 007-Streifen. Für Daniel Craig ist er ein Quantum Trost, Roger Moore blickte mit ihm ins Angesicht des Todes, Sean Connery lebte nur zweimal... Bond, der Hüter des Guten, der Schönen und der Waren, katapultierte den Vermouth-Aperitif zum Cocktail-Klassiker schlechthin. Alle Welt kennt und trinkt Martini Dry, notfalls auch ohne dass eine Mahlzeit folgt.

Die Vorbereitung darauf ist allerdings Sinn des (Cocktail-)Aperitifs: Alkohol (wie alles Gute natürlich in Maßen genossen) erweitert die Blutgefäße und fördert die Verdauung. Nicht zu vergessen: Er macht aus einer Versammlung fremdelnder Gäste eine mehr oder weniger geistvoll plaudernde Tischgesellschaft - und erweist sich damit immer wieder als Rettung geplagter Gastgeberinnen und Protokollbeamter. Aus dieser segensreichen Wirkung des Alkohols entwickelte sich eine eigene Aperitif-Kultur.
Jedes große Essen beginnt in der Regel mit einem kleinen Schluck, der nicht immer bunt sein muss: Rings ums Mittelmeer lässt man sich für den Aperitif meist etwas mehr Zeit als der Agent Ihrer Majestät der Königin. Bevorzugt wird Anisschnaps: Ouzo stimmt die Griechen, Raki die Türken, Anisado die Spanier und Pernod oder Ricard die Franzosen auf die bevorstehenden kulinarischen Genüsse ein. In den USA schätzt man tatsächlich Cocktails zur Vorbereitung aufs Speisen: Dort hat die Barkultur mit all ihren bunten Mixturen wie wir sie kennen ihren Ursprung - den letzten kräftigen Kreativ-Schub versetzte ihr übrigens ausgerechnet die Prohibition: Um die abenteuerlichen, teils lebensgefährlichen selbstgebrannten oder geschmuggelten spirits trinkbar zu machen, mussten sich die Wirte der illegalen Speakeasies schon etwas einfallen lassen. Fruchtsäfte, Zucker, Zitrus und vielviel Eis im zweifelhaften Whiskey dürften so manche Leber gerettet und dem Wirt nebenbei einen satten Gewinn beschert haben - aber das ist eine andere Geschichte, die mit unserem kultivierten Pre-Dinner Drink nichts zu tun hat...

Welcher Aperitif bringt uns Deutschen in Essenslaune?

- Die Antwort ist ein bisschen langweilig, denn einen Klassiker mit interessanter Geschichte wie in anderen Ländern gibt`s bei uns nicht. Seit die alten Germanen vom Met abgekommen sind, öffnet hierzulande alles, was weltweit als Aperitif gebraut, gekeltert und gebrannt wird, die Mägen, und das immer häufiger. Die meisten Deutschen sagen nicht nein, wenn ihnen vor dem Essen ein Aperitif angeboten wird - jeden zweiten gelüstet es nach einem Muntermacher vor dem Mahl. Insbesondere bei den Jüngeren gehört der Appetitanreger einfach zu einem guten Essen dazu, fast 60 Prozent trinken ihn. Insgesamt betrachtet, mögen die Deutschen am liebsten Sherry und Martini (jeweils 30 Prozent).
Wer die Umfrage splittet, erfährt jedoch, dass jüngere Konsumenten Sherry nicht goutieren. Sie favorisieren Martini und Schaumwein. Und: Was auch immer die Deutschen bevorzugen, in allen Bevölkerungsschichten, Alters-, Bildungs- oder auch Einkommensgruppen setzt sich der Trend zu Getränken mit geringem Alkoholgehalt durch.

Im Gegensatz zu den Amerikanern sind deutsche Aperitif-Liebhaber übrigens eher Cocktail-Puristen. Longdrinks und Pre-Dinner-Cocktails erleben in Hotelbars, American Dinner Bars und Diskotheken einen nie da gewesenen Boom - und in Restaurants?
Ernst-Karl Schassberger verbannt Standard-Getränke wie Martini Dry in die Bar und bietet seinen »Aperitif-Cocktail so an, dass kein Gast daran vorbei kommt«. Mit Erfolg: In Schassbergers Restaurant in Kaiserbach-Ebnisee bestellen 90 Prozent der Gäste einen Aperitif »und 95 Prozent davon ordern unseren hauseigenen Cocktail«.
Auch im Landhaus Dill in der Hamburger Elbchaussee bietet der Service »grundsätzlich« einen Aperitif an. »Meine Gäste möchten Individualität«, sagt Patron Volkmar Preis. »Achtzig Prozent unserer Gäste wählen einen Aperitif - Sekt oder Champagner, manchmal Sherry und Campari, ab und an trockenen Portwein. Zumeist aber nehmen sie unseren Hauscocktail, den Kir Royal.«
Auch hier bestätigt sich der Trend: »Meine Gäste reisen in der Regel mit dem Auto an«, erläutert Preis, »die Tendenz geht zu weinhaltigen Getränken mit wenig Alkohol.« Mittags fragen die Gäste im Landhaus Dill oft nach alkoholfreien Fruchtcocktails. Und abends beginnt das Menü auch sehr oft mit einer klassischen Bestellung: »Ein Pils, bitte!« - ein Getränk, das übrigens alle Voraussetzungen für einen ideale »Magenöffner« mitbringt: wenig alkoholisch, frisch, leicht herb und anregend. Freilich: Nichts für Mr Bond, da sich weder Schütteln noch Rühren empfiehlt...

Der Klassiker: MARTINI (DRY)

5,5 cl Gin
1,5 cl trockenen Wermut (Dry Vermouth)

Alle Zutaten in ein Rührglas mit Eiswürfeln geben, gut umrühren und in eine gekühlte Martinischale abseihen. Öl aus einem Stück Zitronenschale auf den Drink spritzen oder mit einer Olive garnieren.

Der Elegante: KIR ROYAL

1-2 cl Crème de Cassis (Johannisbeerlikör)
8-9 cl eiskalter Champagner

Die Crème de Cassis in eine Sektflöte gießen.
Das Ganze mit eiskaltem Champagner vorsichtig aufgießen und sofort servieren.

Der Sommerliche: HOLUNDERBLÜTENEXTRAKT

(Rezept von Ernst-Karl Schassberger)

8-10 voll aufgeblühte Holunderdolden ohne Stiele
2 l trockener Riesling
0,5 l Cognac
Zitrone und Orange in Scheiben
5 El Puderzucker

Holunderblüten mit Riesling und Cognac übergießen.
Zitronen- und Orangenscheiben hinzugeben
Puderzucker darüber sieben
Mixtur bei Zimmertemperatur ziehen lassen, abseihen, mit Schaumwein in der Cocktailschale auffüllen

Der Wärmende: WINTERTRAUM

(Hauscocktail für den Winter von Ernst-Karl Schassberger)

1 Flasche Roter Portwein
Winterliche Früchte und Gewürze nach Belieben (z.B. Zimt, Orange, Vanille, Zitrone, Ingwer)
Schaumwein

Portwein mit Gewürzen ansetzen und einige Wochen ziehen lassen, vor dem servieren mit Schaumwein aufgießen - ideal als festlicher Cocktail in der Weihnachtszeit!

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